Archiv der Kategorie: Asexualität

Informationsstand über Asexualität auf dem CSD Karlsruhe.

Am 28.05.2016 findet in Karlsruhe das jährliche CSD Familienfest auf dem Stephanplatz statt.  Dort findet ihr auch einen Informationsstand über A_sexualität vom Verein AktivistA. Neben gedrucktem Informationsmaterial findet ihr hier auch auf Wunsch persönliche Ansprechpartner*innen, die mit euch gern über all eure Fragen und Anregungen zum Thema A_sexualität diskutieren.

Details zum CSD Karlsruhe findet ihr auf dieser Seite.

Asexualitätsinterview im weird Stadtmagazin Bielefeld

Heute bin ich via Twitter auf ein Asexualitätsinterview gestoßen, das ich euch nicht vorenthalten möchte.  Ich fand das Interview durchaus interessant und informativ und freue mich, dass ein Magazin eine solch intensive Darstellung von Asexualität ermöglicht.

Etwas stutzig wurde ich bei der Verwendung des Ausdrucks A* für Asexualität, Aromantik und Aplantonik. Das ist ein Ausdruck, den ich einmal für einen Artikel in meinem Blog verwendete, weil er sich in diesem Kontext anbot. Mir wäre allerdings nicht bekannt, dass das in der Community in diesem Sinne genutzt wird, um die Begriffe zusammenzufassen. Ich persönlich würde den Ausdruck auch nicht außerhalb des Rahmens meines Artikels nutzen.

Ich stimme nicht ganz damit überein, dass durch den Begriff A* die einzelnen Orientierungen marginalisiert und unsichtbar gemacht werden. Dies wäre der Fall, wenn der Begriff in allen Belangen stellvertretend genutzt werden würde. Es ist aber gelegentlich durchaus sinnvoll, Begriffe zusammenzufassen, wenn man in einem übergeordneten Rahmen argumentiert. Nach gleicher Argumentation könnte man auch sagen, dass der Begriff Queer abzulehnen sei, weil er sehr unterschiedliche Identitäten zusammenfasst und dadurch unsichtbar macht. Die Frage ist auch hier, auf welchem Abstraktionsniveau eine Debatte gerade geführt wird. Manchmal kann das sinnvoll sein, manchmal wird es aber auch leider genutzt, um die explizite Nennung von Identitäten bewusst zu vermeiden.

Nichtsdestotrotz finde ich das Interview sehr lesenswert.

Ist Asexualität queer bzw. Teil der LGBT-Community?

Im Rahmen der diesjährigen AktivistA 2015 wurde ein Workshop von tschellufjek zum Thema „Wir und Queer“ angeboten. Kern des Workshops war die Frage, ob sich die Asexualitätscommunity als queer und als Teil der LGBT-Community versteht. Bevor ich zur eigentlichen Fragestellung komme, möchte ich jedoch die Begriffe zunächst für Nichtwissende erläutern.

Das Wort „Queer“ ist ein ursprünglich englischsprachiges Wort, welches wörtlich übersetzt „seltsam“ oder „sonderbar“ heißt. Es wurde lange Zeit in einem negativem Sinne genutzt, um abfällig über Menschen (z.B. Homosexuelle) zu reden, die irgendwie anders waren. Im Laufe der Zeit erfuhr der Begriff eine Bedeutungsänderung und bezeichnet heute im neutralen Sinne Menschen, die von der gesellschaftlichen Norm abweichen. Hiermit sind insbesondere sexuelle Orientierungen wie Homosexualität oder Bisexualität, sowie Abweichungen in der Geschlechtsidentität wie Transsexualität oder nichtbinäre Identitäten gemeint.

Der Begriff „LGBT“ ist eine englischsprachige Abkürzung für die Begriffe Lesbisch, Schwul, Bisexuell und Transgender. Er bezeichnet damit eine Sammlung von sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten. Gelegentlich wird der Begriff um weitere Buchstaben wie LSBTTIQ (Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell, Transgender, Intersexuell, Queer) erweitert. Der Begriff wird vor allem im politischen Bereich genutzt, um zu signalisieren, dass alle Einzelidentitäten Gemeinsamkeiten besitzen, die ein Vorgehen als Gesamtgruppe sinnvoll werden lassen. Häufig ist hiermit das öffentlichkeitswirksame Ansprechen von Diskriminierung und der politischer Einfluss in Parlamente verbunden.

Die für diesen Blog bedeutende Frage ist: Sind Asexuelle Teil der LGBT-Gemeinschaft bzw. sind Asexuelle queer?

Die Beantwortung der Frage ist meines Erachtens direkt mit dem Selbstverständnis von Asexuellen und der Definition von Asexualität verbunden. In der internationalen Community wird Asexualität als Abwesenheit von sexueller Anziehung definiert. So wie sich Homosexuelle von Menschen des gleichen Geschlechts sexuell angezogen fühlen, so fühlen sich Asexuelle von gar keinen Menschen sexuell angezogen. Asexualität hat demnach den Status einer sexuellen Orientierung und ist damit gleichwertig zu Homo- und Bisexualität zu führen.

Wissenschaftlich belegt ist die Tatsache, dass offen lebende Asexuelle gesellschaftlicher Diskriminierung ausgesetzt sind (siehe z.B. [1] und [2]). Asexuelle weichen also nicht nur offensichtlich von der sexuellen Norm ab, sondern leiden bei offen gelebter Asexualität auch unter deren Machtstrukturen. Asexualität wird in medizinischen Kreisen immer noch mit einer Störung oder Krankheit verbunden: es wird versucht sie zu heilen statt zu akzeptieren. Dies sind ähnliche Probleme, wie sie auch andere sexuelle Orientierungen erleben bzw. erlebten.

Wenn eine Gruppe gemeinsame Probleme und Diskriminierungserfahrungen teilt, ist es sinnvoll dagegen gemeinsam vorzugehen. In demokratischen Systemen, in denen es um die Suche nach Mehrheiten geht, fallen Einzelinteressen schnell unter den Parlamentstisch. Es ist deswegen meiner Meinung nach nicht nur thematisch richtig, dass sich Asexuelle als Teil der LGBT-Bewegung sehen, sondern auch ganz pragmatisch in ihrem Interesse, wenn sie eine Wandlung im gesellschaftlichen Bewusstsein anstreben möchten.

Auch AktivistA als Verein für die Sichtbarmachung für Asexualität spricht sich für die Einsortierung von Asexualität unter den queeren Schirm aus. Es soll dabei allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass ich selbst dort Mitglied (und seit gestern zweiter Vorsitzender) bin.

Gelegentlich finden sich Stimmen von Asexuellen, die sich selbst nicht als queer oder Teil der LGBT-Community sehen. Die Einstellung wird häufig damit begründet, dass sie persönlich keine Verbindung zu Queer-Gruppen haben möchten und insbesondere die offene Auslebung von Sexualität auf den Christopher Street Days abschreckend finden. Das ist eine legitime Einstellung, der ich nicht widersprechen möchte. Es ist allerdings auch eine Individualeinstellung, die ein wenig an der Fragestellung vorbei geht. Nur weil man Asexualität als Teil der LGBT-Identitäten sieht, muss es nicht heißen, dass auf individueller Ebene jede*r Asexuelle sich als Teil der LGBT-Community sehen muss. Unter gleicher Logik gibt es auch einige Homosexuelle, die sich nicht als queer oder Teil der LGBT-Community begreifen, obwohl Homosexualität als Identität und Struktur unter den LGBT-Schirm fällt.

Mein persönliches Fazit: Asexualität als Identität kann von einer Inklusion in den LGBT-Schirm nur profitieren. Nicht jede*r Asexuelle muss sich als Teil der LGBT-Community sehen, aber ein gemeinsames politisches Engagement hilft allen Gruppen, um politische Forderungen und gesellschaftliche Aufklärung voranzutreiben.

Quellen:

  • [1]: Prause, N. & Graham, C.. „Asexuality: classification and characterization“, Archives of Sexual Behavior, 36(3) (2007)
  • [2] Group Processes Intergroup Relations-2012-MacInnis-136843021244241

Interview bei Radio Dreyeckland vom 02.07.2015

Gestern habe ich ihm Rahmen der Sendung „Schwule Welle – Das Magazin“ ein Interview zum Thema Asexualität gegeben. Wenn ihr schnell seid, könnt ihr das Interview innerhalb der GEMA-Frist von der Webseite des Radios herunterladen.

Wenn ihr zu spät seid, ist das aber auch nicht schlimm, denn ich habe meine Notizen zur Sendung zu einem vollständigen Blogbeitrag zusammengefasst. Das niedergeschriebene Interview entspricht nicht 1:1 dem hörbaren Interview, aber es gibt weite Strecken davon sehr genau wieder. Da die Sendezeit rund 20 Minuten entsprach, ist der Interviewtext relativ lang. Aber da müsst ihr jetzt durch.

Niederschrift

Hartmut: Ein Thema über das man selten spricht und wenn, dann oft gar nicht weiß, was es ist, ist das Thema „Asexualität“. Die Vorstellungen darüber, was es genau ist, gehen oft weit auseinander. Bedeutet „Asexualität“ gleichzeitig, daß man ohne Liebe lebt? Und hat man tatsächlich keine sexuellen Bedürfnisse?

In den vergangenen Jahren ist das Thema „Asexualität“ immer mehr in den Vordergrund gerückt worden und es ist daher auch von unserer Seite mal Zeit, ein wenig nachzufragen.

Aus diesem Grund freuen wir uns ganz besonders, daß heute Marcel Schwalb bei uns im Studio ist.

Marcel Schwalb ist Diplom-Mathematiker und hat mehrere Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität in Köln gearbeitet. Er ist agender und asexuell und engagiert sich im Bereich der Queerpolitik. Für uns ist er heute abend extra aus Karlsruhe angereist. Dafür vorab schon einmal vielen Dank und gleichzeitig herzlich willkommen bei uns im Studio: Marcel Schwalb.

Vielen Dank und Danke für die Einladung in das sehr sonnige Freiburg.

Hartmut: Marcel, um mal gleich ganz blöd zu fragen: Was ist Asexualität? Ist z.B. ein Mönch, der im Zölibat in einem Kloster lebt, schon zwingend asexuell?

Nein. Ein Zölibat, also die bewusste Entscheidung nach Enthaltsamkeit, hat erstmal nichts mit Asexualität zu tun. Asexuelle können sich dazu entscheiden, keinen Sex zu haben, aber es ist nicht das, was sie zu Asexuellen macht.

Für die Definition von Asexualität muss ich ein wenig ausholen:

Asexualität ist in der internationalen Community als das Fehlen von sexueller Anziehung zu anderen Menschen definiert. Das heißt: so wie sich Homosexuelle nur von Menschen des eigenen Geschlechts und nicht von anderen sexuell angezogen fühlen, so fühlen sich Asexuelle von gar keinen Menschen sexuell angezogen. Das ist keine bewusste Entscheidung, die jemand trifft, sondern das ist einfach so: so wie Schwule schwul und Lesben lesbisch sind. Von vielen wird Asexualität deswegen auch als sexuelle Orientierung gesehen, wie eben Homo- oder Bisexualität.

In der deutschen Community geht die Definition etwas weiter. Asexualität beschreibt hier ein generelles Nichtverlangen nach sexueller Interaktion. Das kann das Fehlen von sexueller Anziehung, aber auch das Fehlen von sexuellem Verlangen oder Erregung sein.

Grundsätzlich können manche Asexuelle aber durchaus ein sexuelles Verlangen verspüren. Das führt dann zum Beispiel zu Selbstbefriedigung als Auslebungsform.

Hartmut: Asexualität bedeutet demnach also nicht, daß man gar keine Sexualität hat?

Nicht zwingend. Es gibt Asexuelle, die regelmäßig Sex haben. Sei es nun zur Befriedigung einer sexuellen Partnerin oder Partners, aufgrund eines Kinderwunsches oder auch durch Selbstbefriedigung, weil es eben Spaß macht. Anderen Asexuelle hatten noch nie Sex, weil er ihnen gleichgültig ist. Manche lehnen Sex kategorisch ab. Da Spektrum ist da sehr vielseitig.

Übrigens ist Asexualität nicht zwingend eine An-Aus-Schalter. Das heißt, es gibt ein asexuelles Spektrum – einen Graubereich. Menschen, die nur gelegentlich oder schwaches sexuelles Verlangen verspüren, nennt man deswegen graysexual (also grausexuell). Menschen, die dies nur unter sehr innigen emotionalen Beziehungen zu anderen tun, nennen sich demisexual.

Hartmut: D.h. aber nicht, daß einem andere Menschen deshalb gleichgültig sind, man kann ihnen dennoch emotional nahe stehen?

Ja klar. Asexualität bezieht sich nur auf die sexuelle Komponente. Menschliche Beziehungen sind komplex. Man kann mit anderen Menschen freundschaftlich verbunden sein, romantische Beziehungen führen oder auch Zärtlichkeiten und Berührungen austauschen.

Keinesfalls sollte man denken, Asexuelle seien zwingend introvertiert, gefühlskalt oder gar Menschenhasser. Asexuelle können viele Freundschaften pflegen, romantische Beziehungen führen, Berührungen mögen und extravertiert und lebensfröhlich sein. Man merkt einem Menschen seine Asexualität nicht von außen an.

Hartmut: Wir waren ja neulich bei einem Vortrag von Dir im Rahmen der Reihe „Regenbogen-Referate für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt“ an der Universität Freiburg, und dort erfuhren wir u.a. auch, daß man als Axesueller Mensch gleichzeitig auch schwul bzw. lesbisch sein kann. Also die Zuneigung besteht – so haben wir verstanden – dann rein auf emotionaler Ebene?

Asexuellen Menschen ist es sehr wichtig die sexuelle Komponente von anderen Komponenten zu trennen, denn sie unterscheiden sich nur in der sexuellen Komponente. Asexuelle können wie gesagt romantische Beziehungen anstreben. Wenn jemand sich vom gleichen Geschlecht romantisch angezogen fühlt, so nennt sich das homoromantisch. Es gibt analog auch heteroromantisch und biromantisch – und natürlich auch aromantisch.

Für viele Menschen ist die romantische und die sexuelle Orientierung das gleiche. Sie haben sich vielleicht noch nie drüber Gedanken gemacht, aber: wenn ein Schwuler sich zum Beispiel von einem Mann romantisch angezogen fühlt, aber kein Verlangen nach sexueller Interaktion hat, dann könnte er homoromantisch und asexuell sein. Das kann man beliebig weiterknüpfen. So können Menschen biromantisch und heterosexuell sein oder – und das gibt es auch: asexuell und aromantisch. Wichtig zu verstehen ist einfach: romantische und sexuelle Orientierungen können bei Menschen voneinander abweichen – müssen es aber natürlich nicht.

Hartmut: Du bist ja selbst asexuell und – wir sagten es anfangs – agender. Was genau – um es kurz zu klären – bedeutet „agender“?

Jetzt wird es kompliziert. Agender hat erstmal nichts mit Asexualität zu tun. Es ist bei mir nur Zufall, dass es zusammentrifft. Agender ist eine Form von Transgender, also dem Wissen, dass die eigene Geschlechtsidentität nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, das bei Geburt zugewiesen wurde. Agender bedeutet, dass ich mich nicht als Mann sehe, obwohl mir dieses Geschlecht bei Geburt zugewiesen wurde. Ich sehe mich aber auch nicht als Frau, sondern ich habe einfach keine Geschlechtsidentität. Bei mir führt das dazu, dass ich mich zum Beispiel manchmal sehr männlich und manchmal sehr weiblich kleide. Bei den Temperaturen hätte ich also auch statt in Shirt und Hose in einem Sommerkleid anreisen können. Aber wie gesagt: das ist ein anderes Thema und hat mit Asexualität erstmal nichts zu tun.

Hartmut: Wann hast Du denn gemerkt, daß Du asexuell bist? Merkt man das früh oder erst, wenn man versucht hat, eine ganz „normale“ Partnerschaft einzugehen?

Ich hatte 10 Jahre lang eine sexuelle Beziehung. Am Anfang war ich sexuell recht aktiv, weil es für mich etwas Neues war und ich, typisch Wissenschaftler, gerne experimentiere. Nach einiger Zeit stellt sich dann aber der Alltag ein und so merkte ich, dass ich eigentlich kaum Interesse an Sex habe und zum Beispiel Kuscheln viel angenehmer finde. Mittlerweile hatte ich seit 5 Jahren keinen Sex mehr und habe auch nichts vermisst.

Sich asexuell zu bezeichnen, setzt allerdings auch voraus, dass man diesen Begriff überhaupt kennt. Zu merken, dass man irgendwie anders ist, heißt nicht, dass man diese Andersartigkeit auch beschreiben kann. Ich habe von Asexualität erst sehr spät, und zwar vor zwei Jahren erfahren. Deswegen ist es uns eben wichtig, das Thema Asexualität bekannt zu machen.

Das ist wohl bei jeder Person anders. Manche merken es sehr früh, dass sie sich nicht zu anderen Menschen sexuell angezogen fühlen, obwohl der ganze Freundeskreis von nichts anderem spricht. Andere merken es vielleicht niemals, weil sie gar nicht auf die Idee kommen, sich diese Frage zu stellen.

Hartmut: Was sind denn typische Probleme, die eine asexuelle Person in einer Partnerschaft hat? Z.B. daß man in der Beziehung etwas anderes sucht als die Partnerin oder der Partner?

Ja, die Gefahr besteht. Es gibt Menschen, denen ist Sex in einer Beziehung sehr wichtig – und das ist ja auch völlig in Ordnung. Anderen Menschen ist Sex in einer Beziehung unwichtig oder gar lästig – auch das ist in Ordnung. Wenn solche Personen aufeinander treffen, dann kann das zu Problemen oder Missverständnissen führen, wenn man nicht darüber spricht.

Das ist in der Theorie natürlich leicht gesagt. In der Praxis ist es nicht üblich beim ersten Kennenlernen oder Date gleich über sexuelle Vorlieben zu reden. Ich stelle mich gewöhnlich auch nicht mit den Worten vor: „Hey, ich bin Marcel und asexuell.“ Auch wenn es sich reimt, käme das vermutlich nicht gut an. Zumal mit Asexualität immer noch viele Vorurteile verknüpft sind, die man vermeiden möchte.

Probleme sind typischerweise, dass das Desinteresse an sexueller Interaktion von der anderen Seite (oder gar beiden Seiten) als Desinteresse an der ganzen Person gelesen wird. „Ich bin nicht attraktiv genug für ihn“ oder „sie interessiert sich nicht wirklich für mich“ können Reaktionen sein. Wenn darüber dann nicht gesprochen wird, kann das schnell zu einem Ende einer Beziehung aus Missverständnissen führen.

Hartmut: Gibt es dennoch oft Partnerschaften zwischen einer asexuellen Person und einer Nicht-Asexuellen Person?

Ja, klar. Schon allein weil die eigene Asexualität vielleicht erst später bewusst wird. Manche Menschen entdecken erst mit 50 Jahren, einer Familie und 2 Kindern, dass sie eigentlich asexuell sind und sich nur dem gesellschaftlichen Druck gebeugt haben. Das muss auch nicht heißen, dass sich danach in der Praxis etwas für diese Menschen ändert. Nur weil man asexuell ist, liebt man ja nicht plötzlich seine Familie weniger. Es heißt auch nicht zwingend, dass man Sex verweigert. Er fehlt nur in der Regel nicht, wenn man keinen hat.

Hartmut: Wie geht das Umfeld, die Familie und der Freundeskreis damit um, daß man „asexuell“ ist? Gibt es da oft blöde Sprüche wie: „Du hast halt die Richtige noch nicht gefunden?“

Ja, leider sind in der Gesellschaft viele Vorurteile gegen Asexuelle vorhanden. Das fängt mit vergleichbar harmlosen Ignorieren mit Floskeln wie „Das ist nur eine Phase.“ oder „Du bist einfach gestresst“ an. Ärgerlicher wird es, wenn damit konkrete Charaktereigenschaften wie mangelnde soziale Kompetenz oder Menschenhass unterstellt werden.

Hartmut: Ist Asexualität im Alltag sehr relevant? Hat man dadurch Vorteile oder ganz im Gegenteil Nachteile? 

Mir wäre im Alltag kein Vorteil bekannt, außer die Behauptung, man würde als Asexueller viel Zeit und Ärger sparen, weil man sich keine Gedanken über Sexualpartner oder Geschlechtskrankheiten machen müsse. Das stimmt im übrigen nicht, denn wir haben ja schon festgestellt, dass Asexuelle durchaus Sex haben.

Tatsächlich müssen bekennend Asexuelle viele Nachteile in Kauf nehmen. Asexualität wird aufgrund von Unwissen und Vorurteilen schnell in die Richtung Pädophilie gerückt. Da führt nicht nur zu hässlichen Kommentaren, sondern es ist auch durch Studien belegt, dass Asexuelle Diskriminierung erfahren.

Asexuellen werden häufig menschliche Charaktereigenschaften wie Liebe, Mitgefühl oder Freundlichkeit aberkannt. Das führt dazu, dass sie bei Konkurrenzsituationen um Jobs oder auf Wohnungssuche benachteiligt werden.

Hartmut: Gibt es Statistiken darüber, wieviele Menschen prozentual asexuell sind? Ist es überhaupt einfach zu definieren oder gibt es viele Zwischenstufen?

Das ist ein schwieriges Thema. Zum einen gibt es keine allseits akzeptierte Definition von Asexualität, zum anderen würden sich viele Menschen selbst nicht als asexuell bezeichnen, weil sie den Begriff gar nicht kennen. In einer englischen Studie aus dem Jahre 2004 wurde eine Quote von zirka 1% der Bevölkerung ermittelt. Es gibt aber gute Gründe diese Quote als zu niedrig anzuzweifeln, was übrigens auch der Autor der Studie selbst sagt. Andere Wissenschaftlerinnen gehen eher von Quoten um die 3-5% aus. Eins ist aber vermutlich klar: Asexualität ist keine Massenorientierung.

Hartmut: War das Thema „Asexualität“ eigentlich – ähnlich wie „Homosexualität“ – in der Wissenschaft eigentlich schon lange präsent und wurde gleichwertig erforscht? Oder war es meist eher im Hintergrund?

Es gibt Forschung über Asexualität, aber sie ist im Vergleich zu anderen sexuellen Orientierungen sehr gering. Die Existenz von Asexualität war schon in den 40ern des letzten Jahrhunderts bekannt. Die Kinseyskala von 1948 hatte beispielsweise schon einen Marker für Asexualität.

Wir ermutigen immer gern Menschen, die akademisch tätig sind, sich mit dem Thema Asexualität zu beschäftigen. Aufgrund der überschaubaren Forschung in dem Bereich ist es ein Thema, in dem man noch gute Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten unterbringen kann, die neuwertige Erkenntnisse liefern. Wir vermitteln hierzu auch gern asexuelle Proband*innen.

Hartmut: Wenn man das Gefühl hat, man sei asexuell, wo kann man sich informieren oder hinwenden?

Am einfachsten in der Weg ins Internet. Im Netz hat sich eine große Asexualitätscommunity gebildet. Der größte Platz ist ein Netzwerk namens A-V-E-N (Asexual Visibility and Education Network). Hier gibt es eine deutsche Unterseite, auf der sich neben wissenswertem Material auch ein Forum für Fragen befindet.

Hartmut: Gibt es Treffpunkt von asexuellen Menschen? Vielleicht sogar eine Kontaktbörse?

Ja. Im AVEN Forum gibt es eine Rubrik „Stammtische“, in der regelmäßig in größeren Städten Stammtische abgehalten werden. Die Stammtische in Stuttgart und Karlsruhe sind recht aktiv. In Freiburg gibt es gelegentlich auch einen, aber ein neuer Termin steht aktuell noch nicht fest. Einfach mal reinschauen.

In diesem Forum gibt es ebenso eine Kontaktbörse zur Freund*innen oder Partner*innenvermittlung. Es gibt auch mittlerweile einige große Datingplattformen wie Okcupid, die gezielte Suchen nach speziellen sexuellen Orientierungen wie Asexualität zulassen.

Hartmut: Gibt es Erkennungszeichen von Asexuellen, ähnlich wie die Regenbogenflagge?

Die Asexuellenbewegung hat eine eigene Flagge, die ähnlich wie die Regenbogenflagge aus horizontalen Farbstreifen aufgebaut ist. Die Farben sind Schwarz (für Asexualität), Grau (für Graysexualität), Weiß (für Sexualität) und Lila (für Gemeinschaft).

Um sich in der Öffentlichkeit zu erkennen, tragen Asexuelle manchmal einen schwarzen Ring am rechten Mittelfinger. Gern gesehen sind auch Ass-Spielkarten, also zum Beispiel ein Herz-Ass am Rucksack. Im Englischen nennen sich Asexuelle gerne Ace, was auch für Ass steht. Das Ass steht also für Asexualität, die Farbe der Karte steht zusätzlich für die romantische Orientierung.

Hartmut: Seid Ihr auch aktuell auf vielen CSDs präsent, z.B. auch auf dem Freiburger?

Wir versuchen als AktivistA auf so vielen CSD wie möglich mit einem Infostand zu sein. Leider sind unsere Personalzeiten jedoch stark beschränkt, so konzentrieren wir uns aktuell hauptsächlich auf Baden-Württemberg. Wir waren dieses Jahr auf dem CSD in Karlsruhe und auf dem Stuttgarter Sommerfest vor ein paar Wochen. In Freiburg werden wir diesen Monat ebenso anwesend sein. Wer Fragen hat oder Interesse an einer Mitarbeit hat, kann uns dort gern besuchen.

Marcel, vielen herzlichen Dank, daß Du uns für die Fragen zur Verfügung standest und den Weg von Karlsruhe zu uns ins Freiburger Studio gefunden hast. Wenn unsere Hörerinnen und Hörer noch Fragen haben, wo können sie Infos bekommen? (Kann man Dich auch direkt kontaktieren?)

Am einfachsten besucht ihr die Webseite unseres Vereins Aktivista. Die findet ihr unter aktivista.net. Wer möchte kann auch meinen privaten Blog unter asexy.de besuchen. Für den ganz persönlichen Kontakt findet ihr mich auch auf Twitter unter @mandelbroetchen.

Das war Marcel, der uns zum Thema „Asexualität“ Rede und Antwort stand.

Warum Asexualität keine Antisexualität ist

oder: Warum A*-Kategorien keine Antihaltung begründen

Ich werde im Laufe der nächsten Absätze häufiger das Wort A*-Menschen nutzen. Mit A*-Menschen meine ich Menschen, die sich einer A*-Kategorie zugeordnet fühlen. A*-Kategorien sind alle Kategorien, die im Bereich der sexuellen Orientierung mit einer „a“-Vorsilbe betitelt werden, insbesondere Asexualität, Aromantik und Aplatonik.

A*-Menschen ist gemein, dass sie einen Grad des Nichtverlangens teilen. Dieses Nichtverlangen drückt sich zum Beispiel dadurch aus, keine sexuelle Erregung, kein Bedürfnis nach romantischen Beziehungen oder kein Bedürfnis nach Freundschaften zu verspüren. A*-Menschen wählen ihre A*-Zugehörigkeit nicht bewusst aus Überzeugung, sondern sie ist ihnen (möglicherweise seit Geburt) vorgegeben.

In der Gesellschaft, wie auch innerhalb der verschiedenen A*-Communities, wird die Existenz eines Nichtverlangens häufig mit der Ablehnung der Tätigkeiten gleichgesetzt, die auf diesem Verlangen aufbauen. So wird Asexuellen nachgesagt, sie würden Sex grundsätzlich ablehnen oder einen Ekel davor verspüren. Dies ist nicht korrekt.

Asexuelle verspüren kein Verlangen nach sexueller Interaktion und/oder keine sexuelle Anziehung zu Menschen jeglichen Geschlechts. Dies bedeutet nicht zwangsweise, dass Asexuelle keinen Sex haben. Viele Asexuelle führen sexuelle Handlungen durch; sei es zur Befriedigung einer sexuellen Partner*in oder ihrer eigenen Libido, obwohl sie sich nicht durch andere Menschen angezogen fühlen. Ebenso ist sexuelle Erregung durch Objektfetische denkbar. Sex wird also nicht abgelehnt und kann durchaus Spaß machen – es ist nur kein Verlangen oder keine Anziehung zu anderen vorhanden.

Nicht-A*-Menschen ist dieser Unterschied gelegentlich schwierig zu vermitteln. Sexuelle Menschen können sich kaum bis gar nicht vorstellen, wie es ist, kein sexuelles Verlangen zu empfinden. Selbst wenn man Menschen erklärt, dass hieraus keine zwingende Ablehnung von Sexualität folgt, so scheint es nur Vorstellungen zwischen positiver und negativer Beziehung zu Sexualität zu geben.

Das Nichtvorhandensein einer Empfindung ist ein Zustand, der einigen Menschen noch fremder und unangenehmer ist als Ablehnung. Nicht grundlos ist das Adjektiv „gefühlslos“ negativ besetzt. Wer nicht fühlt, wer nicht mit Leidenschaft liebt oder hasst, der kann nach allgemeiner Auffassung kein guter Mensch sein. Belege für diese These werden natürlich nicht vorgelegt. Wenn in der alltäglichen Kommunikation durch Gesten und Worte positive Gefühlsreaktionen ausbleiben, so wird dem Gegenüber nichts Gutes unterstellt. Im besten Fall ist er einfach „seltsam“, im schlechtesten Fall wird es als Desinteresse, Arroganz oder Antipathie gewertet.

A*-Menschen bleiben als Reaktion im Grunde nur zwei Dinge übrig: entweder sie vermeiden Kommunikation mit Nicht-A*-Menschen oder sie lernen die Dinge bewusst und berechnend anzuwenden, die andere Menschen auf unbewusster Ebene durchführen. Beides sind Verhaltensweisen, die aus Sicht von A*-Menschen nicht wünschenswert sind, denn A*-Menschen sind nicht verantwortlich für das Nichtvorhandensein ihrer Empfindung und selbst ,wenn sie es wären: es ist nichts Schlechtes daran.

Was bleibt? Viele Kommunikationsprobleme entstehen dadurch, dass die Existenz von A*-Charakteristika in der Gesellschaft weitestgehend unbekannt ist und deswegen bei der Bewertung einer Person nicht berücksichtigt werden. Dies wird sich nur ändern, wenn A*-Menschen damit beginnen, ihre Abweichung von der Norm öffentlich zu machen und darüber zu reden. Das Internet bietet hierfür geeignete Möglichkeiten, um gleichzeitig einen relativen Grad der Anonymität zu wahren. Hilfreich kann es auch sein, sich den vielen A*-Communities anzuschließen und an gemeinsamen Veranstaltungen teilzunehmen.

Aus einigen dieser Überlegungen hat sich der Aufbau dieser Webseite begründet. Über die Notwendigkeit von Aktivismus in A*-Kategorien habe ich schon am Beispiel von Asexualität gebloggt. Dieser Beitrag richtet sich in erster Linie an interessierte Menschen, die sich nicht der jeweiligen A*-Kategorie zugehörig fühlen, aber dennoch einen Teil dazu beitragen möchten, dass sich A*-Menschen in der Gesellschaft wohler fühlen.

Inspiriert wurde dieser Beitrag von Wir sind die Bösen von Carmilla de Winter.

Asexualität braucht Aktivismus

Baumstammwerfen – eine unterschätzte Sportart

Beschäftigt ihr euch in eurer Freizeit mit Baumstammwerfen? Vermutlich nicht. Engagiert ihr euch in einem Verein zur Pflege der Kultur von Nichtbaumstammwerfern? Wahrscheinlich nicht. Warum eigentlich nicht?

Eventuell aus dem Grund, dass das Nichtbaumstammwerfen in eurem Leben keine Rolle spielt. Ihr habt mit anderen Nichtbaumstammwerferinnen zunächst nur gemein, dass ihr gemeinsam keine Baumstämme werft. Das ist nicht unbedingt eine Eigenschaft, die einer besonderen Pflege oder Kommunikation bedarf. Ihr könnt euch zwar zum gemeinsamen Nichtbaumstammwerfen treffen, aber dieses Treffen ist nur durch die Abwesenheit einer Tätigkeit definiert. Diskussionen über die Technik des Nichtbaumstammwerfens dürften ebenso etwas müßig werden.

Die Macht der Baumstammwerferinnen

Die Sachlage gestaltet sich allerdings ein wenig anders, wenn ihr in einer Welt von Baumstammwerferinnen lebt. Es kann sehr nervig sein, wenn eure Nachbarinnen jeden Tag ungefragt Baumstämme in euren Garten werfen, weil sie davon ausgehen, dass ihr sie freudig gern zurückwerfen werdet. Sie denken sich dabei nichts Böses, aber den Schaden habt ihr trotzdem. Irgendwann liegen so viele Baumstämme in eurem Garten, dass ihr euch in eurem eigenem Zuhause nicht mehr bewegen könnt. Was macht ihr nun?

Plötzlich gibt es einen Grund, sich mit anderen Nichtbaumstammwerferinnen zu treffen. Ihr könnt euch darüber austauschen, wie ihr mit den ganzen Baumstämmen in eurem Garten umgeht. Haben andere Nichtbaumstammwerferinnen Möglichkeiten entwickelt damit umzugehen? Vielleicht bildet ihr Fahrgemeinschaften, um die Baumstämme loszuwerden. Eventuell ist es sinnvoll, sich politisch zu organisieren, um das Recht auf eine baumstammlose Privatsphäre durchzusetzen.

Asexuelle teilen einen Grad der Nichtsexualität

Nein, Asexualität ist nicht wie Nichtbaumstammwerfen. Dies beginnt schon damit, dass Asexualität als sexuelle Orientierung nicht wie ein Hobby oder ein Beruf frei gewählt wird. Asexuelle suchen sich nicht aus, asexuell zu sein – sie sind es. Der freiwillige Verzicht auf Sexualität wie in einem Zölibat hat nichts mit Asexualität zu tun. Weiterhin beschreibt Asexualität im Gegensatz zum Nichtbaumstammwerfen keine Tätigkeit, sondern einen inneren Zustand. Asexuelle haben mitunter durchaus sexuellen Verkehr, zum Beispiel zu Befriedigung einer sexuellen Partner*in.

Die Parallele beginnt bei der Umschreibung einer Nichtexistenz und der Frage, warum sich Menschen zusammen tun sollten, deren Gemeinsamkeit darin liegt, etwas nicht zu haben. Als ehemals unpolitischer Mensch hatte ich lange Zeit kein Bedürfnis, mich mit anderen Asexuellen zu treffen. Ja, ich wusste nicht mal, dass dieser Begriff überhaupt existierte. Meine eigene Asexualität war für mich immer eine Selbstverständlichkeit (im doppelten Sinne) und nur Teil eines größeren Rahmens als eine Person, die in vielen Gebieten eine große Distanz zu Einstellungen und Tätigkeiten hat, die für andere Menschen alltäglich sind.

Warum sollte ich mich mit Menschen treffen, die mit mir gemein haben, dass sie etwas nicht empfinden oder auch etwas nicht tun?

Es ist wichtig, dass sich Asexuelle austauschen

Nun, die Antwort habe ich schon in der Einleitung gegeben. Es ist eine Sache, eine Nichtexistenz zu teilen. Es ist eine andere Sache, in einer Gesellschaft leben zu müssen, die zum überwältigenden Teil aus Menschen besteht, die sich nicht vorstellen können, dass es so etwas wie Asexualität gibt.

Wenn man offen mit seiner Asexualität umgeht und damit auf Menschen zugeht, so muss man mit Reaktionen rechnen wie: „Du verdrängst das. Das ist nicht gesund.“, „Du hattest nur noch nicht die richtige Partner*in.“, „So eine Phase hatte ich auch einmal. Das geht vorüber.“ Manch Reaktionen dürften einigen nicht-heterosexuellen Menschen bekannt sein. Bizarrer wird es, wenn man am Infostand gefragt wird, ob man denn nackt duschen könne oder ob das etwas mit Pädophilie zu tun hat.

Sich mit anderen asexuellen Menschen auszutauschen, kann vielfältige positive Erkenntnisgewinne mit sich bringen. Wie gehen andere asexuelle Menschen damit um, in einer sexualisierten Welt zu leben? Welche Herausforderungen existieren in Partnerschaften mit Sexuellen? Vielleicht gibt es ganz konkrete eigene Schwierigkeiten, über die man bisher mit niemandem reden konnte. Vielleicht möchte man auch nur weitergeben, wie man selbst Probleme gemeistert hat.

Das Internet ist eine gute Möglichkeit, um sich mit anderen Asexuellen zu vernetzen. Es hat dabei den Vorteil, dass eine relative Anonymität gewährleistet ist, wenn man den Schritt zum Outing nicht gehen möchte. Hierzu hat sich das Asexual Visibility and Education Network (AVEN) gebildet. Die deutsche Plattform findet ihr hier.

Es ist wichtig, dass sich Asexuelle organisieren

Asexuelle sind eine Minderheit. Das bedeutet nicht nur, dass sie zahlenmäßig nicht die Mehrheit bilden. Es bedeutet ebenso, dass sie in einer Welt leben müssen, deren Gesetze und Kultur von Menschen geprägt sind, die andere Interessen verfolgen und denen größtenteils nicht bewusst ist, dass Asexualität existiert und welche Bedürfnisse damit verknüpft sind.

Hier zählen zwei Dinge. Zum einen gilt es, Asexualität einer breiten Öffentlichkeit bewusst zu machen. Dies geschieht nur, wenn konsequent Sichtbarkeitsarbeit betrieben wird. Diese kann so aussehen, dass man mit anderen über das Thema redet, Informationsstände in Städten besetzt und Interviews in den Medien platziert. All diese Dinge geschehen nicht automatisch. Man muss aktiv werden. Hierzu hat sich zum Beispiel der Verein AktivistA gegründet.

Sichtbarkeit ist ein wichtiges Hilfsmittel, um Entscheidungsträgerinnen die Problematik einer Gruppe näherzubringen. Es wäre aber naiv zu denken, dass die Arbeit damit getan ist. Wer politisch etwas bewegen möchte, der muss Interessen formulieren. Es muss Druck auf Wirtschaft und Politik aufgebaut werden und Politik von innen verändert werden. Hierbei geht es nicht nur um die Formulierung von Gesetzen, sondern auch um elementare Dinge wie zum Beispiel die Vergabe von Forschungsförderungen und die Formulierung von Bildungsplänen. Wer sich an solchen Prozessen nicht beteiligt, muss sich nicht wundern, wenn andere die knappen Ressourcen für sich beanspruchen. Aus diesem Grunde ist es wichtig, sich in politischen Parteien, Vereinen und Verbünden aktiv zu betätigen.

Werdet aktiv!

Wenn ihr asexuell seid und euch von der Gesellschaft nicht verstanden fühlt: werdet aktiv! Zeigt, dass Asexualität existiert und es alle Geschlechter angeht. Es wird vielleicht nicht euch helfen, aber eventuell den Generationen nach euch. Asexualität ist bisher kaum erforscht und kaum repräsentiert. Aber das kann man ändern. Man muss nur aktiv werden.